Nokia 800 Tough

Ich habe schon lange diese ganze Entwicklung mit den Smartphones kritisch gesehen: ständig haben die Leute ihr Smartphone in der Hand und machen damit irgendwas. Egal, was um sie herum passiert.

Das mag lustig sein, wenn man z.B. ein Video von einem Überfall auf eine Bar sieht, bei dem ein Mann am Tresen so auf sein Smartphone fokusiert ist, dass er nichts vom Überfall mitbekommt und sich am Ende wundert, dass alle Anderen noch auf dem Boden liegen nachdem der Täter eben erst die Bar verlassen hat… Aber wenn Freunde oder Bekannte zusammen stehen und alle haben Ihr Smartphone in der Hand? Das finde ich kritisch.

Hinzu kommt, dass es ein Objekt ist, in das zu viel Zeit investiert wird. Es kommt eine Nachricht und man will nur kurz schauen, wer einem geschrieben hat. Aber wenn man das Gerät einmal in der Hand hat: Was für Neuigkeiten gibt es denn in aller Welt? Oder kurz in ein Spiel rein schauen …

Somit habe ich in den letzten Wochen massiv über Alternativen nachgedacht. Die Erreichbarkeit möchte ich nicht missen (Telefon, SMS), weil ich dies auch beruflich benötige. Aber darüber hinaus ist vieles unnötig…

Somit habe ich mich umgesehen und gleich viele Möglichkeiten gefunden: Nokia bietet eine ganze Reihe von Geräten: die reinen Mobiltelefone (Nokia 105, Nokia 130) über Geräte mit KaiOS (Nokia 2720 flip und Nokia 800 tough). Da ich das Gerät auch bei Feuerwehr Einsätzen mitnehmen möchte, habe ich mich für ein Nokia 800 tough entschieden. Dank KaiOS wird auch WhatsApp und Facebook unterstützt und die Kamera hat mit 2 MP wenigstens die Chance, Fotos zu machen, die etwas anzeigen.

Die Akku-Laufzeit wird bei dem Gerät auch mit bis zu 43 Tagen Standby angegeben, was mich  fasziniert hat: Nur ein bis zwei Mal im Monat das Gerät laden! Somit wurde das Gerät gekauft um es im Detail zu testen.

Der erste Eindruck

Der erste Eindruck beim Auspacken des Gerätes war sehr gut. Das Gerät ist handlich, etwas dicker als ein Smartphone aber dafür schmaler. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck.

Das einlegen der SIM Karten war aber relativ problematisch. Wie bei vielen Smartphones muss man mit so einem mitgelieferten Drahtstift an der Seite einen Träger für die SIM Karten heraus drücken. Dabei wird der Träger aber nur sehr wenig heraus gedrückt und man kann ihn noch nicht fassen. Eine kleine Zange hat mir aber geholfen und ich konnte meine beiden SIM Karten (privat und beruflich) einlegen.

Die Inbetriebnahme war bei mir problematisch. Ich war diesen Wipp-Schalter, mit dem man man im Menü hoch und runter gehen kann und auch die Auswahl bestätigt, nicht mehr gewohnt und so passierte, was passieren musste: Bei Auswahl der Sprache habe ich zugleich die Auswahl geändert und ich hatte ein Handy in einer fremden Sprache. So gab es dann noch ein nettes Spiel: Mach ein Reset des Gerätes ohne das Menü wirklich zu verstehen :). Das ist aber etwas, das ich dem Gerät nicht anlaste. Die Bedienung ist ok und nach kurzer Gewöhnung gab es da auch keine Probleme mit der Bedienung mehr.

Nutzung

Synchronisierung

Das Gerät bietet vielseitige Möglichkeiten an. So kann man Kontakte, Termine, Emails, … synchronisieren. Auch Google wird hier unterstützt und ich konnte schnell und einfach meinen GSuite Account hinterlegen. (Mit Unterstützung der aktuellen Sicherheitsvorgaben, also wirklich ganz problemlos). Da ich zwei SIM Karten nutze und so nur wenig freien Speicherplatz habe, wollte ich erst einmal mit den Kontakten anfangen:

Kontakte geöffnet und ihm gesagt, dass er synchronisieren soll. Dies ist aber leider mit einem wenig aussagenden Fehler fehlgeschlagen. Eine Synchronisierung ließ sich auch mit einigem rumprobieren nicht durchführen.

Es gibt auch eine Import Funktion. Auch wenn ich mir hier keinen Erfolg versprochen habe, habe ich den Import probiert. Das bereits eingerichtete Konto gewählt und schwups: alle meine Kontakte waren importiert. Das ist super! Natürlich nicht perfekt aber so oft ändern sich die Kontakte nicht, so dass dies für mich voll und ganz akzeptabel ist.

Die Synchronisation der anderen Elemente habe ich mir an dieser Stelle erspart und nicht weiter ausprobiert. Meine Kontakte und Co pflege ich in einem A5 Terminkalender in dem auch genug Platz für weitere Dinge sind, so dass ich dies nicht auf meinem Handy brauche.

Weitere Funktionalitäten, die ich eingesetzt habe:

  • Wecker – der Wecker hat bei mir einwandfrei und sicher funktioniert mit der üblichen Funktionalität (z.B. Wecker, der an Werktagen einen wecken soll).
  • Taschenlampe – ich finde es gut, dass die Taschenlampe an der schmalen Seite zu finden ist. So ist es die übliche Haltung einer Taschenlampe und nicht so wie bei Smartphones ein aufrechtes Halten des Smartphones. Die Lichtstärke der Taschenlampe ist aber deutlich geringer als der „Blitz“, den ich von Smartphones her kenne (iPhone 7, Huawei P10 lite). Aber die Lichtstärke ist vollkommen ausreichend für das ausleuchten der näheren Umgebung um z.B. im Dunkeln mit dem Hund spazieren zu gehen.

Verbindungsmöglichkeiten

Das Handy ist super, was die Verbindungsmöglichkeiten angeht. Da steht es den Smartphones in nichts nach. So wird auch LTE unterstützt. Tethering ist möglich – sowohl per USB als auch per aufgespanntem WLAN. Damit ist es ein guter Begleiter, wenn man unterwegs mit seinem Laptop Internet benötigt.

Sprache kann nicht nur über 2G sondern auch über aktuelle Protokolle geführt werden. Auch WLAN wird unterstützt, was ich immer gut fand, denn so kann man auch im Haus problemlos telefonieren, wo sonst der Empfang durch die Wände erschwert wurde.

WhatsApp ist vorhanden, aber mit stark eingeschränkter Funktionalität: Zum einen werden keine Sprachanrufe unterstützt (Aber wer viel Datenvolumen hat, so dass Sprachanrufe möglich sind, der hat doch in der Regel auch eine Sprach-Flat? Zumindest ich habe auch eine Sprach Flat, so dass dieser Punkt mich nicht stört) und auch das Web WhatsApp ist nicht möglich, d.h. man hat keine Möglichkeit, vom Computer einen QR Code zu scannen um dann am Computer WhatsApp zu nutzen.) Dadurch wurde die Kommunikation über WhatsApp sehr beschwerlich, denn Nachrichten mit der Telefon Tastatur zu schreiben ist doch recht mühsam. Damit beschränkte ich mich auf Sprachnachrichten, die unterstützt werden.

Akkulaufzeit

Eine Laufzeit von bis zu 43 Tagen Standby wurde versprochen. Aber nach etwas Nutzung war der Akku nach nur drei Tagen leer. Das war so nicht wirklich erwartet. Ich hatte hier schon so ein bis zwei Wochen erwartet. Somit wurde einiges optimiert:

  • Sprache über LTE verbraucht mehr Strom -> abgeschaltet.
  • WLAN -> abgeschaltet (Also kein Telefonieren zuhause über WLAN)
  • Datenverbindung -> abgeschaltet (Also auch kein WhatsApp mehr)

Somit wurde mein Gerät zu einem reinen Mobiltelefon, Wecker und Taschenlampe degradiert. Die Laufzeit wurde dadurch auch massiv erhöht, aber die Laufzeit beträgt nun immer noch nur ein bis zwei Wochen und damit immer noch deutlich weniger als die versprochenen „bis zu 43 Tage“. Das ist natürlich enttäuschend aber immer noch besser als als die maximal 2 Tage bei meinen Smartphones.

Fazit

Ich bin von dem Gerät etwas enttäuscht. Aber ein Teil der Enttäuschung sind nicht eingehaltene Versprechen (43 Tage versprochen, die fast 2 Wochen sind aber immer noch sehr gut und ausreichend finde ich!) und falsche Hoffnungen (Ich habe halt auf das WhatsApp Web gehofft). Das Handy bietet einige Funktionen, die ich sehr gut finde, so werde ich es als mein Haupt-Telefon behalten um damit erreichbar zu sein. Aber mein Smartphone wird auch weiter im Betrieb bleiben. Damit habe ich dann gewisse weitere Funktionen. Aber dank des Nokia 800 tough ist das bisherige Smartphone nun nicht mehr mein ständiger Begleiter und damit die Ablenkung deutlich kleiner.

Ob nun ein Nokia 105 oder 130 die bessere Wahl gewesen wäre? Es wäre auf jeden Fall deutlich günstiger aber dafür weniger robust. Und die Verbindungsmöglichkeiten wären deutlich geringer.

Ein vollwertigen Ersatz für ein Smartphone sehe ich aber nicht. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es in Verbindung zu einem Tablet auch sehr gute Arbeit leisten würde! Als einziges Gerät wäre es für mich aber dann doch zu wenig.

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